Volkswagen Typ3 Customizing

Die dritte Generation im Hause Volkswagen ist nicht erst seit der ersten Staffel von Big Brother ein Hit. Schon mit Markteintritt 1961 wurde ein Meilenstein für späteres customizen und optimizen gelegt. Jahrelang im Alltag verschliessen und vom Markt wenig beachtet, freut sich die einstige Biedermeierschleuder nun zunehmend größter Beliebtheit aus allen Hemisphären.

Vieles ist am Typ3, wir er in Fachkreisen genannt wird, ähnlich zum Käfer, einiges ist aber auch völlig anders. Das trifft natürlich auch beim Customizen zu. Käfererprobtes funktioniert nicht oder ist völlig überflüssig. An dieser Stelle hier seien einige interessante Aspekte gezeigt.


Typ3 tieferlegen

Die Typ3 Fahrer haben den restlichen luftgekühlten VW-Fahrern gegenüber einen Vorteil beim customizen: Sie können ohne zukauf von Rasterplatten, Tieferlegungs-Achsschenkeln oder gar ganzen Achsen ihre Fahrzeuge tieferlegen. Die Vorgehensweise ist ählich des Verstellens der hinteren Drehstäbe beim Käfer (oder auch Typ3). Die Typ3 Vorderachse ist jedoch völlig anders aufgebaut als die Käfer-Achse. Bei der Typ3-Achse gibt es im unteren Achsrohr zwei Drehstäbe mit gleicher Verzahnung innen wie außen. Im oberen Achsrohr sitzt ein Stabilisator. D.h. im folgenden: Es ist wesentlich einfacher einen Typ3 an Bodenfreiheit zu rauben als alle anderen Fahrzeuge! Dadurch, daß die Drehstäbe innen wie außen die gleiche Verzahnung haben, kann man die Drehstäbe einfach dort verstellen, wo dies gerade am einfachsten geht. Es kann nämlich sein, daß der Drehstab außen extrem fest in seiner Verzahnung sitzt und man ihn nur innen abbekommt! Ebenfalls bekommt man so sehr leicht eine gleiche Tieferlegung auf beiden Seiten realisiert. Bei unterschiedlichen Verzahnungen innen/außen ist mehr Gefühl gefragt. Diese Einfachheit erkauft man sich jedoch mit Verlust der Feinabstimmung der Tieferlegung. Aber ehrlich gesagt, 1Zahn ergibt eine schöne gerade Optik, für originalgetreues Aussehen und Alltagstauglichkeit perfekt, zwei Zähne sind schon heftiger, Keilform stellt sich ein, der Abschlepphaken nimmt bei so mancher bösen Kante schon mal Bodenkontakt auf und die Reserveradwanne schleift dann bei fiesen Rampen und Auffahrten. Bei 3Zähnen müssen die Gummis eingekürzt werden, die Bodenfreiheit ist schon stark eingeschränkt. Der Schritt von 2 auf 3Zähne ist jedoch nicht so heftig wie von 1 auf 2Zähne. Die Drehstäbe werden auf der dem Radentgegengesetzten Seite mit einem Sicherungblech gehalten. Sollte sich die Verzahnung nicht am Rad lösen lassen, so muß hier das Blech abgenommen werden. Die Drehstäbe werden mit einer dicken Madenschraube und Sicherungsmutter am Achsschenkel gesichert. Diese müssen rausgedreht werden. Sollte man innen verstellen, so ist dies nicht notwendig. Bei Gangbarkeit aller Komponenten kann die Tieferlegung sogar mit wenigen Schraubergriffen erfolgen. Dazu unterstützt man den Achsschenkel mit einem stabilen Wagenheber und drück bei ausgezogenem Drehstab nach oben und fährt den Drehstab wieder ein. Und dann ab zur Achsvermessung bzw. -einstellung!


Typ3 Aufprallschutz

Bei vielen Typ3 ist er nicht mehr vorhanden, der vordere Aufprallschutz, integriert in die Stoßstange. Hier sitzt ein zu einem U-gebogenes Rohr in der Stoßstange und stützt sich im Aufprall gegen die Achse ab. Bei einem seitlich versetztem Aufprall bringt dieser Schutz leider nicht viel. Der Aufprallträger ist nach einem Unfall meist nicht mehr eingebaut worden. Daher findet man an der Fahrzeugfront zwei faustgroße Löcher vor. Prinzipiell spricht nichts dagegen diese zu verschließen. Allerdings bieten diese Öffnungen und die originalen Verkleidungsrohre die Möglichkeit, gezielt Kühlluft an die Bremsen und/oder an einen Frontölkühler zu leiten der nicht direkt sichtbar montiert sein muß. Für diesen Zweck reichen normale Luftleitschläuche vollkommen aus. Die zur Verzweigung benötigten Y-Stücke findet man z.B. im Baumarkt (Sanitär- und Abwasserbereich) oder bei den alltäglichen Dingen des Lebens (Staubsauger). Man kann aber auch selbstverständlich passendes Material im Motorsportfachhandel einkaufen


Typ3 Lenkungsdämpfer tauschen - The easy way!

Der Lenkungsdämpfer lässt sich beim Typ3 wesentlich einfacher tauschen als beim Typ1. Der Lenkungsdämpfer ist Fahrzeugseitig an der Achse mit einer Schelle festgeschraubt. Lenkgetriebeseitig ist der Dämpfer entweder am Lenkhebel oder an der rechten Spurstange befestigt. Man muß nicht den Tank ausbauen wie es in Reparaturanleitungen beschrieben ist! Das wäre viel zu viel Arbeit und Gefummel. Dadurch, daß der Typ3 von unten gut zugänglich ist, kann man ohne Probleme den Dämpfer an beiden Enden schrauben. Die Montage und Positionierung geht sehr einfach von statten, man muß nicht großartig klemmen, drücken und fummeln wie beim Käfer (und ohne den Tank auszubauen). Einfach drunter legen und drauf losschrauben.mpfer tauschen


Masseprobleme mit der Tankuhr

Viele Fahrzeuge (nicht nur Typ3, hier bin ich dem Voodoo nur auf den Grund gegangen) haben seltsame Masseeinflüsse in der Tankanzeige wenn z.B. der Blinker betätigt wird. Dies liegt oftmals daran, daß der Tank und somit auch die (elektrische) Tankuhr ohne oder nur mit geringem Massekontakt zur Karosserie versehen ist. Dies liegt oftmals an Dichtmasse, die irgend jemand irgend wann mal, um den Tank zum Kofferraum hin abzudichten, zwischen Tank und Karosse geklebt hat. Oder an einfach viel zu viel Farbe an der Auflagefläche. In den meisten Fällen reicht es aus, etwas blankes Metall zum Vorschein zu bringen und gut einzufetten oder einfach ein zusätzliches Massekabel zum nächsten Massepunkt zu verlegen (beim Typ3 vorne rechts). Die Befestigung mit Ringösen ist die sauberste Lösung.


Typ3 Auspuff

Bei den meisten luftgekühlten Typ1 Motoren ist der Auspuff größtenteils identisch. Bei manchen Ersatzteilen muß man vielleicht etwas fummeln, die Vorwärmleitung verschliessen oder die Endrohre versetzen. Der Rest ist immer gleich. So leider nicht beim Typ3. Durch den Luftansaugkasten an der Riemenscheibe kann dort kein typischer Käferauspuff platziert werden. Dementsprechend ist der "Abgaskrümmer" anders geformt, um den Auspuff dahinter aufzunehmen. Der eigentliche Schalldämpfer ist auch anders geformt und beinhaltet ein zusätzliches paar Heizbirnen. Auch gibt es für den Typ3 kaum (altes) Zubehör oder gute Nachrüstlösungen. Der bekannteste seiner Art, der Abarth, hat mit dem Käfer-Pendant nichts gemein. Qualitativ nicht schlecht, bietet aber keine nennenswerte Mehrleistung. Dafür sind die mittlerweile aufgerufenen Preise für Neu und Alt völlig überzogen, denn ein guter originaler tuts genauso. Die billigen China Repros von EMPI sind Rostschleudern hoch drei und werden sehr schnell sehr laut. Die Dämmwolle scheint nicht von besonders guter Wahl zu sein, ähnlich wie das Blech des Dämpfers. Erstaunlicherweise rosten die Rohre so gut wie gar nicht. Die momentan einzig hochwertige Lösung ist die Edelstahl Variante eines bekannten Anbieters, jedoch passt diese eher schlecht an ein völlig originales Auto.


Alles Keder

Auch beim Typ3 wurden Keder für den Anschluss der Kotflügel verwendet. Leider sind diese nicht kompatibel mit denen des Käfers. Es gibt derzeit auch keine Repros, egal ob in guter oder schlechter Qualität. Häufig findet man beige Keder aus Schlachtfahrzeugen, vereinzelt Stücke von Grünen oder Blauen. Jedoch gabs hier auch mehre Variationen. Weiss ist mittlerweile richtig schwierig vollständig zu bekommen. Es gab mal Ansätze eine Keder-Kartei ins Leben zu rufen, leider ist diese im Sand verlaufen. Man hat auch das Gefühl, das Typ3 Keder deutlich weniger Langzeitstabil sind als Käfer-Keder. Daher die Empfehlung an alle Keder geplagten, seid vorsichtig beim Aus- und Einbau und haltet die Augen auf!


 

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