VW 1303 - Rosti

Früher habe ich immer gesagt, "sollte ich mir je einen 1303 anschaffen, dann wird das ein Sportgerät". Eigentlich wollte ich mir so ein Projekt für später aufheben. Aber es kommt doch oft anders als man denkt. Dieser 1303 sollte eigentlich als Geschenk zum 18. Geburtstag neuaufgebaut werden. Da sich der Zustand als wirklich Mies aber nicht hoffnungslos herausstellte und ein offensichtlich besserer 75er an Land gezogen wurde, blieb dieser 1303 über und ging in meinen Besitz über. Zumindest was davon übrig war. Da Türen und Hauben wirklich gut waren, fehlten diese natürlich. Zwischenzeitlich erhielt der Kleine den Spitznamen "Rosti" und der kommt nicht von ungefähr. Es gab kaum etwas das nicht braun an diesem 1303 war.

Die Historie
Es ist erstaunlich, dass es solch gewissenlose Werkstätten gibt, die ein Fahrzeug so zurechtpfuschen und über Jahre über den TÜV lügen. So gammelig wie der 1303 war, hätte der seit mehr als einer TÜV Periode keine Plakette mehr bekommen dürfen. Aber und Spachtel und Unterbodenschutz und Silikon kann man viel verstecken. Die letzten Jahre wurde Rosti von einem älteren Herrn aus Ansbach bewegt. Er war quasi ein typisches Rentnerfahrzeug. Das muß, wie man sieht, nicht immer ein Vorteil sein. Ende 2006 entschied sich der ältere Herr das Fahrzeug abzugeben. Der TÜV war abgelaufen. am 31.12.2006 haben wir den kleinen dann per Hänger abgeholt. Damals habe ich wohlgemerkt nur mitgeholfen. Das er mal mir gehören wird, war zu dem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Rosti verbrachte die ersten Tage in meiner Obhut, da ich noch etwas Platz hatte. Nach Totalsprengung des Wagens zeigte sich dann das er ziemlich gelitten hat. Die Salzmassen, die die süddeutsche Bevölkerung Jahr für Jahr auf die Straßen kloppt, haben nicht gerade zu einer Verbesserung beigetragen. Schließlich ist der Jahrgang 1975 bei VW kein guter, da in dieser Zeit sehr schlechte Bleche verarbeitet wurden und auch die Rostvorsorge wurde in reduziertem Maße durchgeführt.

So wurde es 2007 und gegen Herbst des Jahres zog Rosti zurück zu mir. Die Schlachtung Rosti kam schon teilzerlegt zu mir zurück. Bodengruppe und Häuschen waren schon getrennt. Am Tag der Ankunft habe ich ein kleines Gerüst gebaut, so das aus Platzgründen das Häuschen oben und die Bodengruppe unten stehen kann. Zufälligerweise tat sich ein guter 1303 Vorderwagen vom Cabrio auf. Denn der Rost hatte den Vorderwagen von Rosti ziemlich befallen, Herpes ist harmlos dagegen. Erstaunlicherweise waren am eingangs erwähnten Ersatz 1303 für Rosti die befallenen Bereiche bei Rosti noch gut und umgekehrt, so das Rostis Vorderwagen noch als Ersatzteilspender diente. Der Cabriovorderwagen Baujahr 78 sah wirklich gut aus. Dummerweise fehlte ein Stück rechte A-Säule… Diese hab ich aus Rosti rausgetrennt und in das Cabrio eingesetzt. Bei weiterer Befreiung des Cabrio Vorderwagens von Farbe, Spachtel und Dichtmasse, kamen ein scheinbar instandgesetztes Abschlußblech und leicht Marode stellen durch. Eigentlich alles kein großes Ding. Das Frontabschlußblech wird aber noch gegen eine geschlitzte Variante ausgetauscht. Leider erwiesen sich die Karosserieaufnahmen an der Spritzwand als reparaturbedürftig. Ob ich es noch mal so machen würde weiss ich nicht, aber es war gut. Denn die Eckverstärkungen raus zu trennen ist nicht wirklich einfach und erfreulich. Nachdem dann alles freigelegt war, habe ich trotz mehrmaligen Zweifelns an meinem Tun bis dahin, wusste ich dann, es war die richtige Entscheidung. Es blühte doch ziemlich stark.

Jedoch erscheint es mir, im Anbetracht der benötigten Zeit, im Nachhinein als sinnvoll, beim nächsten mal die komplette Spritzwand zu tauschen. Die Trennung der Frontscheibenrahmen ist dagegen schon ein Kinderspiel. Hier müssen nur Schweisspunkte gesucht und aufgebohrt werden. Die Verbindung vom Windlauf zur vorderen Seitenwand ist sehr freundlich für die dünne Trennscheibe gelegen. Die A-Säule muß dann in Fummelearbeit rausgetrennt, angepasst und eingesetzt werden. Eingesetzt heisst jedoch, den Cabrio Vorderwagen an die Limousine anpassen. Auf dem Winterfestijn in Rosmalen 2008 hab ich mich dann erst mal mit den notwendigen Blechen und diversem Zubehör eingedeckt. Hier konnte ich eine Menge Teile erstehen. Es fehlen noch Türen und Hauben sowie einige Kleinteile. Die notwendigen Teile die zur Reparatur des Chassis benötigt wurden, habe ich bei Uwe Kessen bzw. Bomex bekommen. Einen NOS Satz innenverbreiterte GFK Kotflügel von Schult fand ich in Düsseldorf und ein NOS Porsche Style Armaturenbrett von Schult in Gladbeck. Denn wirklich hübsch ist das originale 1303 Armaturenbrett nun auch wieder nicht. Ein Satz US Armaturen vom 73er Typ3 Variant in quasi NOS Zustand soll dann noch um einen selbstgebauten Drehzahlmesser (Typ3 Uhr mit Innereien vom VDO Drehzahlmesser) erweitert werden. Ein Hallenfreund steuerte noch zwei Recaros vom VW Parati aus Brasilien bei. Da ich jedoch nicht sicher bin ob es ein Recaro Sportsitz oder ein originaler ohne Kopfstütze sein soll, hab ich noch eine originale 1303 Cabrio Innenausstattung in grünem Kunstleder an Land gezogen. Das Lenkrad wird durch ein in Wagenfarbe (Marinogelb) lackiertes Raid Typ13 ersetzt. Ich habe Ende 2008 wirklich schöne und gute Türen samt Motorhaube und Tank gefunden. Die Türen und die Haube sind quasi gecleant, wie man in Wasserkocherkreisen sagt. D.h. die unnötigen Löcher für Zierleisten und Schriftzug sind vom Vorbesitzer top verschlossen worden (ohne Verzüge!). Da Chrom am 03 unmöglich aussieht, ist das auch nicht weiter schlimm, wenn ich die restlichen Löcher noch verschließen muß. Die Kofferraumhaube habe ich zufällig entdeckt. Ein Club-Kollege hatte diese noch in seiner Gartenlaube liegen. Da das 75er Modelljahr bereits die Cabrio-Haube hat, gehört natürlich auch diese Haube ans Auto. Ursprünglich hieß es, das wäre eine "normale" Haube, aber bei Abholung stellte sich raus, es ist die richtige Haube! Also hier werden auch die Löcher verschlossen. Seit Anfang der 70er wurden bei VW die C-Säulen ausgeschäumt. Dies machte man wohl aus akustischen (neudeutsch NVH) Gründen. Über Sinn und Wirkung streitet man heute noch. Klar ist, es war rostförderlich, stellenweise aber auch rostvorbeugend! Je nach dem wie gerade entfettet, lackiert, geschäumt und abgedichtet wurde, stellte sich das eine oder andere Phänomen ein. Bei Rosti hielt es sich dort wirklich in Grenzen, wenngleich auch das ein oder andere Loch vorhanden ist. Natürlich wurde soweit möglich die Schäumung entfernt.

Das Fahrwerk ist vom normalen Käfer aus betrachtet ab Werk schon sehr unterschiedlich. Die Schräglenkerachse ist zwar in bestimmten anderen Modellen mit kurzem Vorderwagen verbaut gewesen, aber die McPherson Achse gabs nur im 1302 bzw. 1303. Bei meinem 03 hielt zudem Porsche Technik Einzug. Vieles ist Plug&Play, vieles aber auch eine Sonderlösung. Der Umbau an sich ist kein Hexenwerk. Jedoch gibt es mehr als eine Möglichkeit umzurüsten und nicht jede ist gleichermaßen gut. Für die Traggelenke der Vorderachse gibt es z.B. passenden Ersatz von Kerscher mit dem richtigen Durchmesser. Während der Zapfen beim Käfer 17mm Durchmesser hat, beträgt dieser beim Porsche 924 19mm. Eine sehr gute Hilfe zur Entscheidung welche Bodengruppe es denn sein soll und was man wie umbauen kann, ist hier das Buch "Bodengruppentherapie" von Helmut Horn.

Bei Rosti sollten sich vor allem die Kosten in Grenzen halten. Natürlich kann man z.B. bei Bremsen nur State-Of-The-Art Teile verbauen, das modernste und beste was es auf dem Markt gibt. Aber neben der rein kommerziellen Betrachtung stellt man schnell fest, Käfer mit 18" Räder sehen etwas merkwürdig aus. Also beschränkt man sich z.B. auf maximal 15" oder 16" und schon sind die ersten Grenzen gesetzt. Neben dem radialen Platzproblem bekommt man dann schnell ein axiales Platzproblem, soll heißen, man benötigt ausreichend Platz zwischen Bremssattel und Aufbau bzw. Felge in Fahrzeugquerrichtung. Wer dann noch das Fahrzeug mit einer historischen Zulassung (H-Kennzeichen) Bewegen will, kann hier sehr schnell stolpern, wenn dem Prüfer die Bremse nicht gefällt. Natürlich sind technische Verbesserungen erwünscht und möglich, aber 8-Kolben Alu-Bremssättel mit Keramik-Bremsscheibe und bunten Fittings sind nun mal nicht H-Kennzeichen-gerecht. Da Porsche nahezu identische Schnittstellen und Kinematikpunkte wie VW verwendete, lässt sich hier einfachst Plug&Play von VW- auf Porsche-Technik umbauen. Da beide Firmen größtenteils in der gleichen Ära die möglichen Spenderfahrzeuge gebaut hat und man schon damals diese Umbauten tätigte, ist auch eine historische Zulassung kein Problem. Unfähige und unwillige Prüfer die einem z.B. die erst in den 80er verfügbare M030 Bremse verweigern wollen, sollte man keine weitere Aufmerksamkeit entgegen bringen. Die Bremsenkits von Kerscher basieren zum Teil ebenfalls auf Porscheteilen bzw. wurden dort abgeschaut. Z.B. gab es frühe 924er mit Stahlschräglenkern, die einen schraubbaren Bremssattelträger für eine Scheibenbremse hatten. Rosti bekam also die schmalen Alu-Schräglenker mit innen belüfteter Bremsscheibe und original Porsche Bremssattel. Vorne wurde entsprechend das Radlagergehäuse samt innen belüfteter Bremse verbaut. Da das Federbein im Porsche einen etwas anderen Winkel zur Hochachse hat als im Käfer, muß man die Befestigungslöcher unten am Federbein etwas erweitern. Da dies sowieso Langlöcher sind und genug Material vorhanden ist, stellt dies kein unlösbares Problem dar. Dies ist ein üblicher, gangbarer Weg um bei Fahrzeugen mit dieser Aufhängungsbauart den Einstellbereich zu erweitern. Da ich keine zu große Bremse verbauen möchte und auch keine Adapterscheiben fahren will, muß Rosti Porsche Felgen mit 5x130er Lochkreis bekommen. Zu den 70ern passend finde ich die Telefonfelgen vom 911 und 924 in 6 und 7x15" und etwas Tiefbett (ET23,3). Diese passen mit den innenverbreiterten Schult GFK Kotflügeln und der etwas breiteren Porsche Achse perfekt zum Projekt. Als Bereifung kommt hinten 195/60 zum Einsatz, vorne evtl. 50er oder 55er Querschnitt und vielleicht nur sogar als 185er. Mal gucken wie es aussieht und was der TÜV dazu sagt.

Doch leider kam es wie es kommen musste, Rosti hat zumindest nicht mehr in der von mir vorgesehenen Kombination die Straße gesehen. Am Ende des Tages waren es Zeit-, Interessens- und Platzgründe warum ich mich gegen eine Fertigstellung von Rosti entschieden habe. Natürlich tut es weh wenn man daran denkt, schließlich hat man dafür eine Menge Zeit, Arbeit und auch Geld investiert. Letzteres konnte ich glücklicherweise durch den Verkauf der Einzelteile kompensieren. Niemand wollte das Paket en bloc haben. Der Verkauf der Einzelteile hat zwar das doppelte vom Paketpreis gebracht, jedoch darf man den Aufwand dazu nicht außer Acht lassen. Neben Anzeigen schalten muß man Besichtigungs- und Abholungstermine vereinbaren und wahrnehmen, Preise verhandeln und es wäre auch zu einfach wenn sich nur normale Menschen melden würden. Leb wohl Rosti!

 

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